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Maltechniken für Sorbische Ostereier
 

Es ist nicht allein die Maltechnik oder die Färbung, sondern es ist vor allem das Ornament, das ein Ei zu einem Sorbischen Osterei macht (siehe auch unter Tipps & Tricks). Sorbische Ostereier zeichnen sich durch ein geschlossenes, seitengleiches und idealerweise auch umlaufendes Muster aus, das die Ei-Form betont.

Wachstechnik
Kratztechnik
Ätztechnik
Bossiertechnik

Bunte Sorbische Ostereier Ausschnitt

Traditionell kennen die Lausitzer Sorben drei Maltechniken: die Wachsreservetechnik, die Kratztechnik und die Ätztechnik. Vereinzelt wurde in der Oberlausitz eine vierte Technik, die Bossiertechnik gepflegt, die sich aber erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts über lokale Grenzen hinweg verbreitet hat.

Beispiel 01 Wachsreservetechnik

Beispiel 02 Wachsreservetechnik

Beispiel 03 Wachsreservetechnik

Beispiel 04 Wachsreservetechnik

Die Wachsreservetechnik (auch Wachstechnik, Wachsbatik- oder Wachsreserviertechnik genannt)

Unter den Lausitzer Sorben ist die Wachsreservetechnik am verbreitetsten. Das liegt vielleicht daran, dass die Eier vielfarbig gestaltet werden können. Es ist aber auch die aufwändigste Technik.

Es werden rohe oder hartgekochte und am besten auch nur weiße Eier verwendet. Auf das saubere, trockene und fettfreie Ei kann je nach Muster mit dünnen Bleistiftlinien der Verlauf des Ornaments vorgezeichnet werden. Der Ornamentauftrag erfolgt schließlich mit Gänsefedern, die zu den jeweiligen Grundformen (z.B. Dreieck) geschnitten sind.

Man taucht die Gänsefeder ins flüssige (heiße) Wachs und trägt umgehend mit der Feder das Wachs auf das Ei. Das kann man durchaus treffend als "Wachsstempeln" bezeichnen. Denn imgrunde ist es auch genau das.

Hat man das gewünschte Muster auf das weiße Ei aufgetragen, legt man es ins Farbbad. Man färbt übrigens bei der Wachsreservetechnik kontinuierlich von Hell nach Dunkel. Dann fährt man auf der ersten (hellen) Färbung mit dem Wachsauftrag fort und färbt das Ei in der nächsten gewünschten Farbe. An den Stellen, wo man Wachs aufgetragen hat, bleibt die betreffende Farbe erhalten. Auf diese Weise entstehen die späteren bunten Muster.

Ist man schließlich mit dem Musterauftrag - Färben - Musterauftrag - Färben fertig, bläst man das rohe Ei aus. Erst wenn das Ei ausgeblasen wurde, kann das Wachs entfernt werden. Ein hartgekochtes Ei kann natürlich sofort abgewachst werden.

Gewöhnlich wachst man das Ei an einer brenndenden Kerze ab, indem man es solange an die Flamme hält, bis das Wachs auf der Eierschale flüssig wird. Das wiederum wischt man dann mit einem Zellstoftuch ab. Traditionell wurden die Eier nach dem Abwachsen mit einer dünnen Speckscheibe eingerieben, so dass sie stärker glänzten.

Einschließlich Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung braucht es mitunter sehr viele Stunden, bis ein Sorbisches Osterei in der Wachsreservetechnik fertiggestellt ist.

Wichtig ist, wie Sie den links abgebildeten Beispielen entnehmen können (für größere Ansicht auf Bilder klicken), dass das Muster seitengleich, spiegelnd, idealerweise auch umlaufend und geschlossen ist, denn ansonsten handelt es sich zwar um ein schön verziertes, jedoch um kein Sorbisches Osterei.

In der Rubrik Tipps & Tricks geben wir zur Wachsreservetechnik eine ausführlichere Anleitung mit konkreten Hinweisen zu den einzelnen Arbeitsschritten und den traditionellen Musterkonventionen.

Neue Bildbeispiele folgen

Die Kratztechnik

Die Kratztechnik ist die vermutlich älteste Technik zum Verzieren von Sorbischen Ostereiern. Um mit dieser Technik ansprechende Ergebnisse zu erzielen, braucht es viel Übung, ein gewisses Maß an zeichnerischem Talent und vor allem eine sichere und ruhige Hand. Sorbische Eier in der Kratztechnik gehören zu den schönsten.

Es werden rohe oder hartgekochte Eier genommen. Ausgeblasene Eier eignen sich weniger für diese Technik, da die Eierschale schneller dem Druck des Werzeuges nachgeben und zerbrechen kann.

Die Eier werden zunächst in einer kräftigen Farbe gefärbt. Die Farbschicht sollte decken aber nicht allzu dick aufliegen, da man diese ja wieder abkratzen muss. Es empfiehlt sich daher, eine Farbe anzurühren, in der das Ei nur kurze Zeit liegen muss.

Welche Farben man heutzutage nimmt, ist der Phantasie, dem Geschmack und der persönlichen Vorliebe überlassen. Früher waren die verschiedenen Abstufungen von Braun üblich, da man diese Farbe leicht aus dem Sud gekochter Zwiebelschalen gewinnen konnte. In der Regel sind gekratzte Eier einfarbig.

Auf das Ei werden dann mit einem scharfen Werkzeug, wie z.B. Messer, Cutter, Feile, Stahlnagel usw. die Ornamente eingeritzt, indem die Farbe vorsichtig abgetragen oder abgeschabt wird.

Man fängt mit dem gewünschten Muster an einem gedachten Mittelunkt an, von dem aus man die Verzierungen um das Ei herum entwickelt. Auch für Eier in der Kratztechnik ist zu beachten, dass ein typisch sorbisches Muster umlaufend, spiegelnd und seitengleich ist.

Mit etwas mehr Aufwand lässt sich auch in der Kratztechnik Mehrfarbigkeit erzielen. Einige versierte Künstler empfehlen Tonabstufungen in einer Farbe von hell nach dunkel. Sie erreichen das, indem sie zuerst auf den dunkelsten Ton kratzen, dann das Ei in einem helleren Ton nachfärben und erneut kratzen usw. Manche erreichen solche Abstufungen auch dadurch, dass sie die Farbe unterschiedlich stark abtragen.

Je nach Geschick, Arbeitsweise und Muster braucht es für manches Ei in der Kratztechnik mehr als einen Arbeitstag, bis es fertig ist.

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Die Ätztechnik

Die Ätztechnik ist aus rein praktischen Gründen nicht mehr so weit verbreitet. Denn es bedarf eines ätzenden Mittels, mit dessen Hilfe die Farbe auf dem Ei gebleicht wird. Auf diese Weise lassen sich allerdings wunderbare Ornamente erzeugen, die in ihrer Ausstrahlung einzigartig sind.

Es sollten rohe oder hartgekochte Eier verwendet werden. Das Ei wird in nur einer Farbe gefärbt. Die Farbschicht sollte dünner sein als bei der Kratztechnik, um die Wirkzeit des Ätzmittels zu verkürzen.

Traditionell wurden Essig und Sauerkrautsaft zum Ätzen verwendet. Gelegentlich kamen auch die beim Lausitzer Blaudruck üblichen Bleichmittel zum Einsatz.

Das Ornament wird wie bei der Kratztechnik an einem gedachten Mittelpunkt begonnen. Mit einem angespitzten Federkiel oder einer Stahlfeder wird das Ätzmittel aufgetragen und dann mit einem weichen Tuch vorsichtig abgetupft. Das Ei wird an den betreffenden Stellen entfärbt.

Die Strichstärke der Ornamente wird vom Flüssigkeitsauftrag beeinflusst. Geätzte Eier werden daher mit unterschiedlich spitzen Federn bearbeitet, um im Ornament entsprechende Vielfalt zu erzeugen.

Für ein Sorbisches Osterei in der Ätztechnik braucht es sogar bei viel Erfahrung in der Regel mehrere Stunden, bis es fertiggestellt ist. Auch bei dieser Technik muss das Muster seitengleich, spiegelnd und umlaufend sein, wenn es ein Sorbisches Osterei sein soll.

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Die Bossiertechnik

Die Bossierttechnik ist die jüngste Methode zum Verzieren sorbischer Ostereier. Früher nur vereinzelt praktiziert, hat sie sich Ende des 20. Jahrhunderts in der gesamten Lausitz und darüber hinaus verbreitet. Das liegt offenbar daran, dass man recht einfach und schnell zu durchaus ansprechenden Ergebnisse mit dem Bossieren der Eier kommt.

Bei der Bossiertechnik können ausgeblasene Eier verwendet werden. Weiße Eier sind die beste Wahl. Wie bei der Wachsreservetechnik wird erhitztes flüssiges Wachs auf das Ei aufgetragen. Allerdings verbleibt das Wachs bei der Bossierttechnik auf dem Ei.

Man nimmt vorzugsweise farbige Wachsstifte, die man jeweils separat verflüssigt. Dann trägt man nach denselben Regeln wie bei der Wachsreservetechnik das Ornament auf. Anstelle des Färbens verwendet man verschieden farbiges Wachs für die Gestaltung. Das Ergebnis ist sofort sichtbar.

Offenichtliche Fehler lassen sich gut korrigieren, indem man mit einem Cutter das Wachs vorsichtig abkratzt und das Ornament noch einmal aufträgt.

Der mitunter komplizierte Prozess des Färbens entfällt. Kleine Unebenheiten, die sich auch bei der Bossiertechnik ergeben, sind im Detail weniger auffällig. Allerdings ist die Bossierttechnik nicht für feinere Musteranordnungen geeignet, da mangels Färbung keine Kontraste gesetzt werden können.

Man verwendet für die Bossierttechnik einfache Musterstrukturen, mittelgroße bis große Federn für den Wachsauftrag und dickere Glasköpfe für die Sonnenräder, Strahlenbündel und Zweige. Um Kindern das Verzieren Sorbischer Ostereier beizubringen, ist die Bossiertechnik sehr gut geeignet.

Der große Nachteil an Sorbischen Ostereiern in der Bossiertechnik ist ihre bedingte Haltbarkeit. Das aufliegende Wachs kann bei Sonneneinwirkung verlaufen oder abplatzen. Einziger aber nur teilweise wirksamer Behelf ist der Auftrag von transparentem Schutzlack.

 
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